Einer der Vorteile kein Auto zu besitzen ist auf jeden Fall die Freiheit, für jede Gelegenheit das passende Auto mieten zu können. Bisher waren das bei mir aber immer ausschließlich Verbrenner gewesen. Diesmal sollte alles anders sein: Für ein Wochenende ging es nach Bremen – COVID-bedingt nicht mit dem Zug.

Woher nehmen und nicht stehlen?

Zwar gibt es mit Share Now und SIXT share einfache Möglichkeiten ein E-Auto zu leihen – für ein ganzes Wochenende ist das aber ein recht teurer Spaß. Und eine Garantie, dass man dann genau zum richtigen Zeitpunkt das Auto zur Verfügung hat, gibt es auch nicht. Die klassischen Autovermietungen sind eher zurückhaltend mit E-Autos – und ein Tesla muss es auch nicht gleich sein. Und bei Europcar habe ich zwar schon den VW e-Golf in der Halle stehen sehen - aber irgendwie möchte man den wohl nicht verleihen.

Über nextmove bin ich ebenfalls noch gestolpert - dort war der Preis für einen BMW i3 aber deutlich teurer als bei Starcar.

Als Alternativen bleiben dann wie von Boris beschrieben Starcar und Cambio. Bei Starcar kostet der Renault ZOE für ein Wochenende inklusive 300 Kilometer 72,13€ - ein ziemlich gutes Angebot. Leider liegt die Station recht ungünstig für mich, weswegen Cambio als letzte Option übrig blieb. Dort scheitert man erst einmal an der Webseite, wo keine Buchung über 160km möglich ist. Eine Nachfrage per E-Mail ergab, dass eine telefonische Buchung nötig sei. Die gestaltete sich dann aber als unkompliziert. Preislich ist der Renault Zoe dem Ford Fiesta (Verbrenner) gleich gestellt - hier also kein Vor- oder Nachteil beim Preis: 60€ für ein Wochenende und 60€ für 300km.

Startklar: Der Renault ZOE von Cambio

Die große Ladefrage...

Die meisten Fragezeichen hatte ich zum Thema Laden.

  • Ganz grundsätzlich: Wo stehen die Ladesäulen?
  • Die Details bei der Zahlung: Wie kann ich überhaupt ohne Karte in einer anderen Stadt laden?
  • Und ganz praktisch: Wie lange dauert eine „Tankfüllung“?

Hilfreich war der Verweis von Cambio auf die Karte von GoingElectric, mit der schnell eine Säule um die Ecke beim Schwiegervater gefunden war.

Boris empfahl mir u.a. die App Plugsurfing. Mein subjektiver Eindruck, dass es darüber nicht ganz so preiswert ist, aber dafür funktionierte es ohne Probleme. In den Cambio FAQs steht, dass es auch eine Ladekarte im Auto gäbe - leider wusste ich das nicht.

1:40h für eine halbe Akku Ladung

Blieb nur noch die größte Herausforderung: das eigentliche Laden. Schlussendlich fuhr ich am Samstag mit dem Auto zum Bäcker (das ich das einmal sagen würde...), lies es dort 1:40h (50% der Batterieladung hatte ich verbraucht) stehen und nahm es nach dem Samstags-Einkauf später am Tag wieder mit. Somit braucht ein wenig Planung, aber funktioniert problemlos.

... und weitere Beobachtungen

Auf der Autobahn kommt man an die Grenze eines E-Stadtautos: Bei 140km/h ist Schluss und die Reichweite reduziert sich rasant. Geschwindigkeiten von 120 bzw. 130km/h wiederum scheinen ein guter Kompromiss aus Reichweite und Tempo zu sein.

Die Ladesäulen-Suche des integrierten Navigationssystems taugt eher weniger. Bessere Apps haben wir euch bereits vorgestellt.

Insgesamt kosteten 121 „Straßenkilometer“ von Hamburg nach Bremen etwa 136 „Akkukilometer“ – einen Unterschied, den man im Hinterkopf behalten sollte, wenn man auf den digitalen Tacho schielt.

Vorsicht bei der Tacho-Anzeige: Kilometer sind nicht immer Kilometer

Ein Fazit

Ein paar Dinge gab es schon zu beachten, aber ich hatte es mir viel komplizierter vorgestellt. Spanend ist sicherlich noch einmal ein Ladestop auf der Autobahn – das brauchten wir in diesem Fall nicht. Schön wäre auch eine größere Vielfalt bei den Modellen – eigentlich gibt es immer  den Renault Zoe oder vielleicht noch den BWM i3.

Also, nur Mut und einfach beim nächsten mal einen Stromer leihen!


Peter ist ein guter Freund, Gastautor und schreibt sonst auf grauvoegel.de.

Titelbild-Quelle: Renault