"Das beste Elektroauto 2020"

So oder so ähnlich lauten Suchanfragen von E-Auto-interessierten Menschen im Internet und jeder dieser Suchenden erwartet die eine Antwort. Doch wie immer im Leben ist es nicht so einfach. Es gibt viele objektive Fakten in verschiedenen Kategorien zur Bewertung eines elektrisch angetriebenen Fahrzeugs. Aber eben auch Unmengen an subjektiven Aspekten, die einen Vergleich der Modelle nahezu unmöglich machen. Dennoch möchte ich euch hier einmal einen kleinen Überblick verschaffen und mitgeben, warum meine Wahl vor einem Jahr auf das Tesla Model 3 fiel und wie ich heute entscheiden würde.

Die Qual der Wahl

Noch vor einigen Monaten konnte man bei der Suche nach dem geeigneten E-Auto schon etwas verzweifeln. Die Auswahl an Modellen war sehr überschaubar und bei den deutschen Automobilherstellern wurde man – bis auf wenige Ausnahmen – kaum fündig. Diese Situation hat sich inzwischen gewaltig geändert. Fast alle großen internationalen Hersteller haben nun E-Autos im Portfolio und verdeutlichen den unausweichlichen Trend:

Der Elektromobilität gehört die Zukunft!

Meine Informationsbasis

Bei der Wahl der Modelle beziehe ich mich unter anderem auf die folgenden Quellen, die einen guten Überblick geben:

Diese Elektroautos gibt es auf dem Markt
Diese e-Autos deutscher und ausländischer Hersteller sind aktuell auf dem Markt erhältlich. Informationen zu Preis, Reichweite und Ladedauer runden unser Angebot zu Elektroautos ab.
Elektroautos 2020/2021: Alle Modelle in der Übersicht
Vom Opel Mokka-e bis zum BMW iX3, mit aktualisierten Preisen (Update)

Beide Listen sind jedoch nicht vollständig und auch die genannten Werte für die Preise dürften nicht absolut aktuell sein. Dennoch bieten sie eine geeignete Übersicht bei der Suche nach einem potentiellen E-Gefährt.

Jedem muss bei diesen Listen jedoch auch bewusst sein, dass wesentliche Faktoren für die Kaufentscheidung nicht immer genannt werden (können). Es ist beispielsweise fast ausgeschlossen, Informationen bezüglich der Verfügbarkeit eines Modells zu nennen, da sich diese von einem Tag auf den nächsten von „verfügbar innerhalb von drei Wochen“ auf „lieferbar in mehreren Monaten“ ändern kann. Wer also kurzfristig ein E-Auto möchte / benötigt, hat im Zweifel bei vielen Herstellern das Nachsehen. Hier sollten der direkte Kontakt zum Händler gesucht bzw. die Informationen auf den Websites der Hersteller geprüft werden.

Auch lassen sich Angaben zu Themen wie der Verarbeitungsqualität, dem Fahrgefühl sowie der Bedienbarkeit der Steuerelemente im Innenraum meist objektiv nur schwer in Worte fassen. Daher möchte ich auch hier auf die vielen Video-Testberichte von z.B. nextmove, Car Maniac oder Robin TV verweisen und empfehle dringend das Sammeln von persönlichen Eindrücken während einer Probefahrt.

Empfehlungen pro Anwendungsfall

Wie bereits beschrieben gibt es nicht das beste Elektroauto. Dennoch versuche ich im Folgendem für die einzelnen Einsatzgebiete, Empfehlungen auf Grund von eigenen Eindrücken sowie der vielen Testberichte zu geben, die ich mir im Laufe der letzten Monate ansehen konnte.

Kleinster Stadtflitzer mit geringem Stauraum. Dafür für jede Parklücke geeignet:

Der Smart EQ Fortwo bietet mit rund 150 km eine akzeptable Reichweite und ist auch als Cabrio erhältlich. Tatsächlich scheint das Modell trotz des nicht gerade niedrigen Preises inzwischen so beliebt zu sein, dass es Anfang Juli zu einem Bestellstopp kam. Sicher spielt hier die erhöhte Umweltprämie sowie der verringerte Mehrwertsteuersatz mit rein. Als kleiner Stadtflitzer ist der elektrische Smart bestens geeignet.

Längere Strecken auch im Kleinwagen? Kein Problem mit diesen Fahrzeugen:

Die Renault Zoe sieht knuffig aus und bietet ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Die neue Variante mit der Typenbezeichnung R135 Z.E. 50 bietet eine Reichweite von 386 km (nach WLTP-Standard). Das Vorgängermodell R110 Z.E. 40 ist zudem zu einem günstigeren Preis erhältlich, bringt es aber auch auf etwa 70 km weniger Reichweite. Beide Modelle sind zu teils spektakulären Leasing-Konditionen zu haben.

Die Renault Zoe (Quelle: renault-presse.de)

Weitere interessante Kandidaten sind sicherlich der  Mini Cooper SE, der Opel Corsa-e sowie der Peugeot e-208. All diese Modelle sind noch sehr neu und werden teils zum aktuellen Zeitpunkt leider noch nicht ausgeliefert. Der Honda e sticht auf Grund seiner futuristischen Features heraus, kann mit seiner niedrigen Reichweite bei einem hohen Preis im Vergleich jedoch leider nicht überzeugen.

Ganz besonders hervorzuheben ist der VW ID.3 Dieser kann seit einigen Tagen offiziell bestellt werden und wurde bereits ausführlich von verschiedensten „Influencern“ getestet. Volkswagen scheint hier wirklich etwas Tolles abliefern zu können. Aber schaut selbst:

Mit der kleinen Familie auch mal in den Urlaub:

Das Tesla Model 3 bietet im Mittelklassesegment ein sehr gutes Gesamtpaket aus Reichweite, Ladeleistung, Platzangebot, Preis sowie ein – wie ich finde – großartiges Innenraum- und Bedienkonzept. Das Auto macht zudem unglaublich viel Spaß und Tesla hat mit dem Supercharger-Netzwerk ein Ass im Ärmel.

Neu am Markt und der meiner Meinung nach erste echte Konkurrent in dieser Klasse ist der Polestar 2. Dieses Fahrzeug der Volvo-Tochter Polestar besticht durch eine hohe Verarbeitungsqualität und einem dem Model 3 ebenbürtigen Bedienkonzept des Infotainment-Systems, durch die geschickte Integration des Android Betriebssystems. Der Polestar 2 kann bestellt werden und eine Verfügbarkeit innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate soll gegeben sein.

Viel Platz für die ganze Familie und eine Reichweite wie ein Diesel:

Das Model S von Tesla kommt mit einem hohen Preis (erhältlich ab 79.990 €) – keine Frage. Dennoch ist das Fahrzeug, seit seiner Einführung im Jahr 2012 (!) das Referenzfahrzeug, wenn es um rein elektrisches Fahren geht. Über die Jahre wurde es optisch leicht und technisch enorm angepasst und bietet noch immer das beste Gesamtpaket aus Platzangebot, Reichweite, Ladeleistung sowie Fahreigenschaften und Sicherheit. Wie beim Model 3 werden zudem regelmäßige Software-Updates Over-the-Air, also wie beim Handy, per Wlan/Funk, übertragen.

Tesla Model S (Quelle: tesla.com/de_DE/presskit)

Wenn's unbedingt ein SUV sein muss:

Um es ganz klar zu sagen, ich bin kein Freund von SUVs! Sie sind meist übermäßig groß, nehmen entsprechend viel Platz sowie Sicht für andere Verkehrsteilnehmer weg und sind dennoch gefühlt regelmäßig mit nur einer, maximal zwei Personen besetzt. Die Lademenge ist zudem oft gar nicht größer, als bei vergleichbaren Limousinen und das Argument der besseren Übersicht durch die höhere Sitzposition rechtfertigt aus meiner Sicht nicht den höheren Verbrauch und die wesentlich schlechtere Effizienz und damit Nachhaltigkeit. Die Begriffe Sport & Utility in SUV entsprechen auch nur selten der tatsächlichen Nutzung. Im Gelände sieht man solche Fahrzeuge jedenfalls nur selten.

Wie dem auch sei – als elektrische Variante empfehle ich dennoch den Audi e-tron. Das in Europa zur Zeit meistverkaufte Elektro-SUV bietet je nach Variante eine für SUVs relativ ordentliche Reichweite sowie eine – z.B. im Vergleich zum Mercedes EQC – sehr gute Ladeleistung. Der Innenraum kommt nobel daher und der Fahrkomfort ist Audi entsprechend hoch.

Das E-SUV: Der Audi e-tron (Quelle: audi-mediacenter.com)

Wer es etwas kleiner mag, dem sei das Mini-SUV von Tesla, das Model Y ans Herz gelegt. Etwas höher als das Model 3 und mit entsprechend größerem und besser zu beladenen Kofferraum ist es aus meiner Sicht das optimale Familienfahrzeug – und das ohne als protziges Riesen-SUV daherzukommen. Einziger Wermutstropfen: Das Model Y ist aktuell in Europa noch nicht erhältlich. Es soll ab 2021 im neuen Tesla-Werk bei Berlin gebaut und von dort ausgeliefert werden.

Tesla Model Y – ab 2021 in Europa erhältlich (Quelle: tesla.com/de_DE/presskit)

Die elektrischen Sportwagen:

Ja, auch in diesem Segment wird man inzwischen fündig. Der Porsche Taycan ist aus meiner Sicht ein rundum tolles Fahrzeug. Es verkörpert die Eleganz und Sportlichkeit eines Porsches und lässt so ziemlich jedes benzinbetriebene Pendant aus demselben Konzern blass aussehen. Das Top-Modell, der Taycan Turbo S, beschleunigt in nur 2,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und bietet entsprechend eine Leistung von 560 kW bzw. 761 PS. Die Reichweite ist bei einer solch sportlichen Fahrweise nicht die Rede wert – aber das ist sie bei Sportwagen selten. Der Elektro-Porsche spricht dennoch sicher den ein oder anderen, gutbetuchten Hobbyrennfahrer an und wenn das dazu beiträgt, dass weniger Benzin verbrannt wird – warum nicht?!

Porsche Taycan Turbo S – die elektrische Rennmaschine (Quelle: presse.porsche.de)

Mit einem Preise von rum 180.000 € ist der Porsche Taycan Turbo S sicher kein Schnäppchen. Wer es da günstiger und mit etwas mehr Understatement mag, kann sich auch mal mit dem Tesla Model S Performance befassen. Mit ähnlichen Fahrwerten kostet es knapp 80.000 € weniger. Ob es dabei jedoch das Charisma eines Porsches übertrumpfen kann, muss jeder für sich selbst erleben.

Fazit

Für die hier beschriebenen Einsatzzwecke würde ich heute das Model 3 wahrscheinlich sofort wieder kaufen. Den Polestar 2 würde ich dennoch einer ausführlichen Probefahrt unterziehen – denn hier hat die Volvo-Tochter ein wirklich gutes E-Auto produziert. Die Autos der anderen Kategorien sind ebenfalls nur meine Empfehlungen auf Basis der Erkenntnisse, die ich im Bereich Elektromobilität sammeln konnte. Schlussendlich muss es jeder selbst wissen und die Vor- und Nachteile subjektiv abwägen. Der Kauf eines Elektroautos ist in jedem Fall eine Investition in die Zukunft und gegen das Verbrennen von Benzin. Letzteres ist bei der Fortbewegung eines Fahrzeugs aus meiner Sicht nicht mehr zeitgemäß. Die am Markt befindlichen E-Autos können überzeugen und die Auswahl ist inzwischen riesig.

Zum Schluss möchte ich euch noch den folgenden Podcast ans Herzlegen. Bei Fahr doch elektrisch! Werden die Grundlagen rund um das E-Auto anschaulich und unterhaltsam erläutert und es macht einfach Spaß, den beiden E-Nerds Max und Johannes zuzuhören:


Titelbild-Quelle: Aditya Chinchure | Unsplash