Nachdem ich stundenlang unterschiedliche E-Bikes miteinander verglichen habe und zwei Probefahrten absolvierte, fiel meine Wahl auf das VanMoof S3. Mein erstes E-Bike. Und es kam pünktlich zum Hamburger Sommer Anfang Juli.

Ein großer Karton / Auspacken

Wenn die Postfrau zweimal klingelt – das verpackte VanMoof S3

Die Kollegen schauten schon etwas verdutzt, als ein großes Paket im Büro an einen strahlenden Andi überreicht wurde. Sie kannten meine Überlegungen und mussten meine Vorfreude aushalten, nun durften sie auch den Aufbau miterleben. Die Verpackung ist schick und dabei praktisch: Man zieht das Fahrrad über eine gelbe Lasche aus dem Karton. Alle notwendigen Werkzeuge werden mitgeliefert – auch wenn nicht viel gemacht werden musste. Der Lenker wurde ausgerichtet, das Vorderrad eingesetzt und der Motor angeschlossen. Bis auf diesen Schritt lief alles problemlos, aber entweder sind meine Finger nicht filigran genug oder es ist verdammt schwierig den Stecker hinter einer Blende zu verstecken. Ein kurzer Aufreger-Moment, danach durfte die (ebenfalls mitgelieferte) gelbe Party-Tröte erklingen.

Über die App wurde nun das Rad registriert und mit der Akku das erste Mal aufgeladen. Dieser Vorgang dauerte bei mir etwa drei Stunden. Was jetzt bereits auffiel: VanMoof mag futuristische Geräusche. Beim Anschalten, Laden, Abschließen. Zum Glück lassen sich diese aber jederzeit deaktivieren.

Die erste Runde / Losfahren

Zum Feierabend ging es dann auf Jungfernfahrt. Und ja: Es macht verdammt viel Spaß. Der Motor zieht ordentlich nach vorne und kann jederzeit über den Boost-Button auf die volle Leistung gebracht werden. Ich drücke diesen Knopf am Lenker wirklich sehr oft... Und freue mich immer wie ein kleines Kind. An der Ampel bekommt man so einen kleinen Vorsprung zu den anderen Rädern (und auch Autos) oder widersetzt sich jedem Gegenwind. Die Verarbeitung des Rades ist wirklich sehr gut – nichts klappert. Alles fühlt sich hochwertig an. Der Sattel bequem, der Motor leise und die Bremsen verlässlich. Die Reifen sind schön breit und so schwebt man durch die Stadt. Nur die Schaltung ist – genau wie bei der Probefahrt – gewöhnungsbedürftig. Die vier Gänge reichen für Hamburg völlig aus, auch wenn der Schulberg zur Strandperle dann doch zu steil für das VanMoof war. Mehr irritiert die Automatikschaltung. Manchmal ruckelt und knackt es beim Anfahren, manchmal bei gleichbleibender Geschwindigkeit. Mit der Zeit versteht man das Muster, aber es gibt weiterhin Überraschungsmomente. Genau so überrascht schaut der ein oder andere Beobachter, denn die Beschleunigung erwarten wenige von einem Fahrrad, das nicht sofort als E-Bike wahrgenommen wird. Und so wird man auch immer wieder angesprochen: Vom Taxifahrer an der Ampel oder von der Fußgängerin. Viele scheinen sich gerade für ein neues Fahrrad zu interessieren.

Unterwegs auf dem Fahrrad / Alltag

Vor meinem Kauf hatte ich oft darüber nachgedacht, wie oft ich das Fahrrad wohl nutzen werde – zur Arbeit bei gutem Wetter. Vielleicht am Wochenende. Letztendlich habe ich das Rad fast täglich genutzt. Für den Arbeitsweg, aber auch ganz oft einfach so. Die Sonne scheint – ab zur Eisdiele. Freunde sind auf der Sternschanze – ich fahre kurz vorbei. Umwege gehörten zum Programm. So fuhr ich mehrmals einfach so zum Hafen oder erkundete jede Seitenstraße in Eimsbüttel. Damit hatte ich nicht gerechnet. Und irgendwie erinnerte es mich stark an meine Kindheit: Einfach rumfahren und schauen. Ja, teilweise war ich genervt von Hamburgs Radwegen – auch wenn sich die Situation durch Pop-up-Wege und  einen Autofreien Jungfernstieg bessern könnte. Nichts ändern werden diese Maßnahmen an den anderen Verkehrsteilnehmern, die teilweise auf nichts achten. Weder auf rote Ampeln, andere Mitfahrer oder sich selbst. Genug gemeckert: meistens genoss ich jede Fahrt. Ich hatte kaum Probleme mit der Technik. Nur einmal ging plötzlich Licht und Motor aus – das ganze Rad war aus, fuhr aber natürlich weiter. Ein Neustart und alles ging wieder. Meistens fahre ich auf der Stufe 3 oder 4 – was bei vier Stufen bedeutet, ich bin oft faul und lasse helfen. Fahre dann aber auch meistens längere Strecken.

Ungewohnt, aber auch nicht zu unterschätzen ist das Kicklock. Hatte ich zu Beginn große Angst das Rad einfach stehen zu lassen und über die Verriegelung zu sperren, so ist es mittlerweile eine meiner Lieblingsfunktionen. Kein Schloss und fertig in Sekunden. Ich stelle das Rad ab und tippe am Hinterrad auf einen Schalter. Die Alarmanlage reagiert nun bei Bewegungen, was teilweise andere Menschen sehr erschrickt, wenn sie einfach nur das Rad wegstellen wollen. Mir gibt es ein gutes Gefühl und ich habe mich gegen ein zweites Schloss entschieden.

Die erste Wartung / Boxenstopp

Der Hersteller VanMoof rät dazu, nach etwa 300km eine Wartung durchführen zu lassen. Bremsen und Schrauben prüfen – schließlich wurde das Rad ja selbst aufgebaut. Also folgte ich dem Ratschlag artig. Leider gibt es kein Verzeichnis mit Partnerwerkstätten und einige Händler warnten mich, dass sie keine Erfahrung haben oder aber nur die Mechanik prüfen, den Motor aber nicht anfassen. Falls jemand einen guten Vertragspartner kennt – bitte melden! Ich war bei Reckrad im Grindelviertel von Hamburg und sehr zufrieden. Bremsen wurden justiert und Speichen nachgezogen. Alles innerhalb weniger Stunden.

Mein Fazit nach einem Monat

Mittlerweile sind knapp 375km auf dem virtuellen Tacho. Und fast jeder Kilometer hat Spaß gemacht. Ich habe kaum technische Schwierigkeiten gehabt, dafür die Verarbeitung und das Fahrgefühl sehr geschätzt. Im öffentlichen Nahverkehr saß ich kaum mehr, dafür kenne ich Hamburgs Straßen um einiges besser. Die Motorunterstützung zusammen mit dem Boost-Button macht genau das, was ich mir gewünscht hat: Sie sorgt für Motivation. Ich bin viel öfter draußen unterwegs. Mal sehen, wie sich die nächsten Monate entwickeln und was der Herbst bringt. Aber momentan bin ich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung.

Mein erster Monat – in Zahlen (Screenshot aus der VanMoof App)

Titelbild-Quelle: Selbst geschossen am Hamburger Hafen