Ganz ehrlich? Rein objektiv wäre die korrekte Antwort auf diese Frage wohl nein. Großstädte sind nicht erst seit heute durch den PKW-Individualverkehr verstopft und ein elektrisch betriebenes Fahrzeug ändert daran herzlich wenig. Dennoch fahre ich seit dem 19. Juni 2019 ein Solches. Die Gründe für und gegen ein eigenes Elektroauto in einer Stadt wie Hamburg sind nämlich vielfältig.

Faszination Elektroauto

Warum fahre ich also eigentlich überhaupt ein E-Auto. Nun, in erster Linie macht ein Elektrofahrzeug verdammt viel Spaß. Wer bereits in einem saß und einmal das Strompedal um einige Grad nach unten gedrückt hat, wird festgestellt haben, dass das Fahrgefühl im Gegensatz zu einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor ein ganz anderes ist. Die Beschleunigung setzt unmittelbar, nahezu geräuschlos ein und man schwebt geradezu über den Asphalt. Keine Verzögerungen durch eine Gangschaltung, kein quietschendes Getriebe. Interessanterweise bedarf es für dieses Gefühl nicht einmal einen hochmotorisierten Tesla – selbst bei einem Smart EQ oder einem BMW i3 fühlt man sich direkt wie in einer anderen (Auto-)Welt.

Tesla cruising through the streets of Amsterdam
Quelle: Jannes Glas / Unsplash

Wir kaufen ein E-Auto

Zugegeben ist dies noch kein Argument für den Kauf eines Elektroautos. Uns – meiner Frau und mir – kam der Gedanke jedoch, nachdem unser vorheriges Auto (ein 13 Jahre alter Audi A3) langsam aber sicher begann, den Geist aufzugeben. Als dann auch noch die Geburt unser Tochter bevorstand, wollten wir uns ein neues und vor allem sicheres Auto zulegen. Anforderungen an moderne Sicherheitssysteme, Transportkapazität für Gepäck sowie Kinderwagen und Effizienz waren also vorausgesetzt. Die Themen Nachhaltigkeit und ein geringer Emissionsausstoß spielten für uns eine ebenso große Rolle, wie die Frage nach den Unterhalts- und Betriebskosten.

Die Vorteile eines E-Autos

Da unsere Familien (Geschwister, Eltern, Großeltern) zudem größtenteils in und um Berlin leben und wir auch auf Touren in Richtung Nord- oder Ostsee flexibel sein wollten, fiel die Wahl schnell auf ein Langstrecken geeignetes Elektroauto. Das Model 3 von Tesla bietet hier auch heute noch das beste Komplettpaket: Modernste Technik gepaart mit hoher Effizienz, einer großartigen Ladeinfrastruktur und genügend Platz für unsere kleine Familie. Eine Ladung von rund 90% kostet im Mittel zwischen 20 und maximal 30 Euro – eine Reichweite von über 350 Kilometern auf der Autobahn ist damit kein Problem. Von der Kfz-Steuer ist das Fahrzeug für zehn Jahre befreit. Auf Grund der geringen Anzahl an beweglichen Teilen und der minimalen Nutzung der Bremsanlage (Stichwort: Rekuperation) sollten die Wartungskosten weit unter denen eines Verbrenners liegen. Und sind wir doch mal ehrlich: Spätestens seit dem kürzlich beschlossenen Konjunkturpaket (Stichwort: Umweltbonus) sollte jedem klar sein, dass der Elektromobilität die Zukunft in der Kfz-Branche gehört.

Erhöhter Umweltbonus für E-Autos
Am 3. Juni hat der Koalitionsausschuss eine Erhöhung der Kaufprämie für Elektrofahrzeuge (Umweltbonus) beschlossen.
Weitere Infos zum Umweltbonus findest du hier.

Was ist nun mit Hamburg?

Ein Elektroauto in der Hansestadt zu fahren, ist auf jeden Fall purer Luxus. Nicht wegen des doch recht hohen Anschaffungspreises, sondern weil sich die Stadt größte Mühe gibt, für Elektromobilisten attraktiv zu sein. Hamburg stellt hinter München nicht nur die größte Anzahl an öffentlichen Ladesäulen zur Verfügung, sondern erlaubt das kostenlose Parken für E-Autos bis zur Höchstparkdauer auf allen öffentlichen Parkplätzen. Es sind gleich mehrere Tesla Supercharger in unmittelbarer Nähe zur Stadt verkehrsgünstig an den Autobahnen gelegen.

Die Hansestadt ist bereits elektrisch

Wer sich auf den Straßen der Stadt umschaut, wird jedoch auch feststellen, dass der Wandel hin zur Elektromobilität bereits in vollem Gange ist. Neben den Elektrofahrzeugen der Car Sharing Anbieter Share Now und Sixt Share, sieht man immer mal eines von STARCAR, UFODrive und auch anderen. Selbst die Hochbahn hat inzwischen mehrere E-Busse im Einsatz. Am Offensichtlichsten fällt es mir jedoch auf, wenn wieder eines dieser schmucken Moia-Kleinbusse an mir vorbeibraust. Für kürzere Strecken sind die elektrischen Scooter von Emmy bestens geeignet und natürlich findet sich an jeder Ecke irgend ein E-Scooter zum Leihen. Aber selbst ohne all diese Transportmittel ist man in Hamburg mit dem ÖPNV und der Nutzung eines Fahr- oder auch Lastenrades – ob nun elektrisch oder nicht – bestens und zügig unterwegs.

Notwendig oder nicht?

Dennoch oder gerade wegen der beschriebenen Aspekte ist das Fahren eines eigenen elektrischen PKWs in Hamburg nicht unbedingt notwendig. In unserem persönlichen Fall handelt es sich daher um eine Entscheidung, bei der wir Faktoren wie Flexibilität, Bequemlichkeit und Komfort einbezogen haben. Das häufigere Fahren längerer Strecken mit größerem Gepäck, gepaart mit einer Prise Automobil- und Technologie-Faszination sowie der beschriebenen Vorteile eines E-Autos haben uns schlussendlich in die Welt der individuellen Elektromobilität eintauchen lassen.

Titelbild-Quelle: Moritz Kindler | Unsplash