Seit ziemlich genau 2 Jahren bin ich stolzer Besitzer des Unu Classic. Fast jeden Tag bin ich mit dem Roller unterwegs und auf der Uhr stehen nun schon über 8.000 km, viel Fahrtwind und Fahrtglück, aber auch kalte Finger durch das ganzjährige Fahren mit dem Unu durch Hamburg. Der Name für den Classic passt nicht nur auf das angenehme Retro-Design, sondern passt zum ganzen Roller. Er hat nicht viel technischen Schnickschnack und macht trotz der ein oder anderen Alterserscheinung zuverlässig und lautlos seine Kilometer.

Hier meine 5 Gründe, weshalb ich trotzdem vom alten Modell auf den neuen Roller wechseln möchte und diesen wohl vorbestellen werde.

1) Mehr Platz im und auf dem Roller

Der Classic Roller hat unter der Sitzbank so ziemlich genau Platz für zwei Akkus. Bei zwei Akkus ist der kleine "Kofferraum" dann aber auch voll und es passt maximal noch eine Jacke oben auf die Akkus – die Sitzbank muss dann aber ins Schloss gedrückt werden. Auch wenn ich zwei Akkus habe, fahre ich fast immer nur mit einem Akku. Dadurch passt bisschen etwas in den Roller, aber der Helm bleibt außen vor: In das Büro nehme ich den Helm immer mit. Bin ich unterwegs, hänge ich den Helm außen in die vorgesehene Halterung. So ist der Helm zwar vor Diebstahl relativ gut geschützt, nicht aber vor Regen oder (je nach Abstellort) vor Bier und Müll.

Der neue Unu hat hier ein neues Platzkonzept. Hat man beide Akkus im Roller finden trotzdem noch zwei Helme oder ein größerer Rucksack Platz.

Und auch wenn ich am liebsten alleine Roller fahre, bin ich mit dem alten Roller auch schon zu zweit unterwegs gewesen. Das geht mehr schlecht als recht. Im Gegensatz zum alten Roller bietet der neue Unu mit der längeren Sitzfläche mehr Platz und bietet außerdem ausklappbare Fußstützen für den Mitfahrer.

So sehr ich das kompakte Format und das leichte Gewicht des alten Unus schätze, so freue ich mich auf mehr Platz. Während der Fahrt findet der Rucksack statt auf dem Rücken im Kofferraum Platz - am Ziel angekommen kann der Helm geschützt unter den Sitz.

2) Sharing is caring - und wird nun leichter

Der alte Unu kommt ganz klassisch mit zwei Schlüsseln zum Starten des Rollers, zum Öffnen des Akkufachs und zum Setzen der Lenkradsperre. Bei der immer stärker zunehmenden Vernetzung will auch der neue Unu mitspielen und bietet auch für den privaten Nutzer eine Sharing-Funktion. Über die Unu-App kann ich Dritten den digitalen Schlüssel zukommen lassen und auch wieder entziehen. Hat jemand den digitalen Schlüssel, so kann er per NFC den Roller starten und benutzen. Das Konzept bringt damit Sharing-Konzepte – wie man sie sonst primär von Sixt-Share, DriveNow und Emmy kennt – in die eigene Hosentasche.

Natürlich konnte ich bislang auch jemandem den physischen Schlüssel leihen. Der häufigste Use-Case ist wohl die gemeinsame Nutzung im Mehr-Personen Haushalt. Aber auch ich erhoffe ich mir Vorteile vom digitalen Schlüssel: Selbst wenn ich Freunden und Nachbarn angeboten habe, den Roller zu nutzen, wenn ich im Urlaub bin, waren dies bislang häufiger Worte als Taten. Wenn ich nun aber einfach den Schlüssel per App teile, schafft das vielleicht doch den notwendigen Anreiz für die ein oder andere Probefahrt.

3) Schöner laden

Inzwischen bin ich mehr als 8.000 km gefahren. Da ich die Lithium-Ionen-Akkus von Samsung auch über Nacht lade, wenn ich nur wenig gefahren bin und der Akku quasi noch fast voll ist, habe ich den Stecker zum Laden sicherlich mehr als 250 Mal ein- und ausgesteckt. Während das Stecker-Pendant im Roller relativ starr und gut verstärkt ist, so ist der Stecker an meinem Netzteil relativ einfach gehalten. Das viele Ein- und Ausstecken und die Kabelführung zollen ihren Tribut und ich habe einen Wackelkontakt. Liegt das Kabel nicht richtig, so kann es sein, dass ich morgens aufwache und der Akku doch nicht vollständig geladen ist. Hier könnte ich natürlich ein neues Kabel kaufen bzw. auf Garantie bei Unu anfragen, um das Problem zu beheben. Dennoch freue ich mich auf die Weiterentwicklung beim neuen Unu. Man setzt den Akku zu Hause einfach einmal auf die Ladestation. Das sieht nicht nur gut aus, sondern sollte doch hoffentlich etwaige, durch Verschleiß entstehende Wackelkontakte vermeiden.

4) Zielgerichtet unterwegs

Bei schönem Wetter ist der Weg auf einem Roller definitiv das Ziel und es macht Spaß, Umwege zu fahren und sich durch die Stadt treiben zu lassen. Da ich vor 2018 quasi ausschließlich mit den Öffis und fast nie mit dem Rad unterwegs war, musste ich erstmal die Hamburger Straßen und die Verkehrsführung (beispielsweise an der Sierichstraße) kennenlernen. Inzwischen klappt das ganz gut mit der Orientierung. Zumeist reicht vor der Fahrt ein kurzer Blick auf Google Maps. Hin und wieder finde ich den Weg alleine aber doch nicht. Als Lösung dafür gibt es entweder an der Ampel den Blick auf das Handy, das Lautstellen der Navi-Durchsagen oder die Streckenführung über Google Maps auf meiner Wear OS Smartwatch.

All das ist durchaus machbar und ich habe bislang immer den Weg gefunden. Für einzelne Fahrten gefällt mir aber das angekündigte Feature, dass ich vor der Fahrt über die Unu-App ein Streckenziel an den Roller schicke und dieser mich dann über das Display entsprechend lotst. Da man beim aktuellen Unu lediglich den Akkustand, die Geschwindigkeit und die Gesamt-Kilometer auf dem analogen Display ablesen kann, freue ich mich ebenso über die digitale Geschwindigkeits-Anzeige oder über etwas so triviales wie die aktuelle Uhrzeit.

5) Der Reiz des Neuen und die kleinen Dinge

Neben den oben genannten Punkten freue ich mich über die vielen kleinen Verbesserungen. Das Update ist deutlich mehr als ein Facelift, sondern wirklich eine neue Generation.

So freue ich mich über mehr Sehen und Sichtbarkeit bei abendlichem Fahren. Die Halogenlampe im alten Roller leuchtet die Straßen nicht richtig aus. Der neue Roller kommt mit einem zeitgemäßen LED-Licht und erspart den Umbau in Eigenregie, den manche Unu-Nutzer selbst vorgenommen haben.

Der alte Roller rekuperiert auch schon spürbar wenn man die rechte Bremse leicht drückt. Im flachen Hamburg ist der Effekt vermutlich generell gering. Aber ich hoffe auch hier auf eine Verbesserung und ein besseres Laden während der Fahrt durch die zurückgewonnene Energie.

Aber lohnt sich das Upgrade?

Für 2.649€ gab es  vor zwei Jahren den Unu Classic mit dem stärksten Motor in der 3kW-Version und der Sitzbank in Sonderfarbe. Am neuen Unu hängt mit dem 4kW-Motor ein stolzes Preisschild von 3.949€. Somit ist man noch nicht im Preissegment der e-Schwalbe oder der e-Vespa, aber Unu ist damit im gehobenen Preismittelfeld unterwegs. Als Nutzer des alten Modells muss ich mir daher gut überlegen, ob das mir wirklich den Umstieg auf das neue Modell wert ist. Die neuen Features wie der größere Kofferraum und die Digitalisierung des Rollers gefallen mir gut. Spannend bleibt wann das neue Modell geliefert werden kann, nachdem sich der geplante Starttermin schon über ein Jahr verschoben hat..

Titelbild Quelle: Unu